Ich, die große Schnecke

Es regnete schon wieder.

Dauernd muss ich im Regen stehen und die Menschen gehen ins Trockene.

Ich stehe Tag und Nacht hier, an dem selben Platz.

Aber ich sollte mal mit meiner Erzählung starten:

Es war mal wieder so ein Tag, wo es regnete. Na ja es regnete nicht richtig, es nieselte. Also waren die Menschen auch noch draußen. Ich muss zugeben, dass ich es lieber mag, wenn diese Zweibeiner drinne sind, denn dauernd zeigt jemand auf mich, klettert auf mich oder macht sich darüber lustig, dass ich eine Schnecke bin. Das finde ich gemein.

Aber ich fahre mal fort:

Die Kinder waren also draußen, natürlich auch die Erwachsenen, und es war wie immer. Von allen Seiten hörte man Kindergequietsche und die Stimmen der überanstrengten Eltern.

Es war zwar nicht meine Leidenschaft hier zu stehen und nichts zu machen und ich konnte ja nicht mal sprechen, schließlich war ich eine Schneckenstatue, aber manche Kinder, ja manche Kinder waren begeistert von mir und guckten mich ehrführchtig an. Dann fühlte ich mich groß und stark!

Hihi hihi!

Ich war das ja auch.

Aber wenn ich so drüber nachdenke, ich finde es vielleicht doch toll hier zu stehen, immer so viele Menschen zu sehen.

Vielleicht machen die Kinder sich ja auch nicht über mich lustig, sondern bewundern mich nur, dass ich die große, riesige Schnecke bin und dass ausgerechnet ich hier stehe, vielleicht mögen sie Schnecken auch nur sehr gern und finden es toll, dass ich hier, an diesem Ort, auf diesem Platz stehe.

Hier ist mein Platz.

Ich gehöre hier her.

Ich gehöre zu diesem Platz dazu.

Ich präsentiere ihn.

Ich bin zwar nur ein kleiner Teil der Welt, doch auch kleine Teile können Großes erzeugen.

Es ist gut, dass es mich gibt und das es mich hier gibt.

(aufgezeichnet von Lisa, 9 Jahre)

þ›